Die Sache mit dem „authentisch sein“.

Es gibt viele zahlreiche Blogs, Artikel und Posts mit Tipps, wie du „authentischer“ werden kannst. Und ich habe sie noch vor nicht allzu langer Zeit verschlungen.

Ich möchte hier nun meine Erkenntnisse und Erfahrungen zum Thema „Authentizität“ mit dir teilen.

Was ich für mich herausgefunden habe?

Ich bin ZU JEDER ZEIT authentisch. Mein Körper hat gar keine andere Möglichkeit, als authentisch zu sein.

Was ich damit meine?

Lass uns erstmal von vorne anfangen und fragen: Was bedeutet „authentisch sein“ für mich?

Unter „authentisch sein“ verstehe ich, dass ich nach meinem „wahren Selbst“ lebe.

So weit, so gut. So in etwa wird es wohl von vielen interpretiert.
Doch es kommt meiner Meinung nach noch ein weiterer Aspekt hinzu: der Körper. Die Physiologie des Körpers.

Demnach ist das „authentische Selbst“ der physiologische Zustand meines Körpers in jedem Moment.

Was das bedeutet?

Dass jede Seite von mir, die ich zeige & alles, was im Moment da ist, immer authentisch „Ich“ bin – eines meiner unendlichen „Ichs“.

„Das authentische Selbst“ ist IMMER im Wandel und kein festes Konstrukt.

Was mir aufgefallen ist, dass ich ein sehr romantisches Bild von Authentizität hatte:

Ich bin authentisch, wenn ich immer nach meinen Gefühlen und Bedürfnissen handle, wenn ich zeige, wer ich gerade bin, wenn ich für mich einstehe, wenn ich glücklich, mitfühlend, humorvoll, clever, selbstbewusst und mit anderen Menschen verbunden bin.

Und ja, all diese Seiten sind ein Teil von mir und wenn ich sie zeige, bin ich authentisch. 

ABER und das ist das große ABER:

Auch wenn ich nicht zeige, was ich gerade fühle und denke, wenn ich eine Seite von mir verstecke, wenn ich ängstlich und wütend bin, wenn ich beurteilend und nicht sozial bin:
Ich bin trotzdem authentisch.

Warum?

All diese positiven Assoziationen und Gefühle, die ich mit „authentisch sein“ verbunden habe, sind nur dann möglich, wenn ich „safe, secure & seen“ bin. Wenn ich das Gefühl habe, sicher & beschütz/geborgen zu sein und gesehen zu werden.

Dann ist es für meinen Körper möglich, Gefühle wie Glück, Freude, Verbindung, Mitgefühl, Ehrlichkeit zu entwickeln, was dann wiederum Auswirkung auf mein Verhalten hat.

Wenn ich jedoch merke, dass ich nicht ehrlich meine Gefühle ausdrücken kann, wenn ich Angst habe zu sagen, was ich gerade denke, wenn ich wütend und ängstlich bin und mich selbst und andere verurteile, dann liegt es daran, dass sich mein Körper und mein Selbst nicht sicher, beschützt und gesehen fühlen. Mein Körper hat dauerhaft das Gefühl, in Gefahr zu sein. 

Doch auch das ist authentisch. Denn der Körper reagiert auf das, was im Umfeld ist. 

Und auch diese Seiten des „Selbst“ sind gut und wertvoll. Denn sie gehören alle zu mir. Und ich kann entscheiden, ob ich diese Seite im Moment einfach da sein lassen möchte und sie in Ruhe lasse oder ob ich es als Zeichen und Hinweis sehe, dass ich mich gerade nicht sicher, beschützt und gesehen fühle. 
Und anhand dessen kann ich handeln oder auch nicht. 

Allein dieses Bewusstsein hat mir unheimlich geholfen, diesen Druck, den ich verspürt habe, immer authentisch sein zu müssen. Denn ich habe erkannt, dass ich sowieso immer authentisch bin, selbst wenn ich der gesellschaftlichen Definition nach nicht authentisch bin. 

Die Erkenntnis, dass sich mein „authentisches Selbst“ immer wandelt, da mein Körper und die aktuelle Situation mein „Ich“ in diesem Moment bestimmen, ist für mich ebenfalls ein game-changer.

Denn ich kann im Grunde in jedem Moment sagen, ob meine wesentlichen Grundbedürfnisse (Sicherheit, Geborgenheit/Geschütztheit & gesehen werden) erfüllt sind oder nicht. Mein Verhalten & meine Gefühle verraten es mir.

Und genau dieses Bewusstsein ist ein Segen und so machtvoll.

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